... so heisst das Tryptichon von Giovanni Segantini, das - entstanden zwischen 1896 und 1899 - in drei grossformatigen Landschaftsbildern aus dem Engadin und Bergell den Jahreszyklus und im übertragenen Sinne den Lebenszyklus abbildet. Steht im Zyklus des Engadiner Malers das Vergehen am Ende, so passt dies sicher zur landläufigen Vorstellung und Empfindung des Novembers. Wird doch dieser Monat in vielen Gedichten beschrieben als eine Zeit der inneren Einkehr, des Fallens und Verschwindens.
Er beinhaltet aber mit Blick auf seine wichtigsten Feste neben dem Rückzug auch Aspekte, die einen ganzen Zyklus und Aufbruch darstellen.
Nebel hängt wie Rauch ums Haus,
drängt die Welt nach innen;
ohne Not geht niemand aus;
alles fällt in Sinnen.
Leiser wird die Hand, der Mund,
stiller die Gebärde.
Heimlich, wie auf Meeresgrund,
träumen Mensch und Erde.
Christian Morgenstern
Herbst
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
Sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir And're an: es ist in Allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Rainer Maria Rilke
Sein – Vergehen – Werden
Allerheiligen – heilig Sein
Die Kirche feiert Menschen, die nach christlichem Glauben ihr Leben vorbildlich im Sinne des Evangeliums geführt haben. Neben offiziell heiliggesprochenen Personen werden auch verborgene „Alltagsheilige“ sichtbar gemacht, deren Namen nur Gott kennt. Das Fest erinnert ferner daran, dass die Heiligen bereits zur Vollendung bei Gott gelangt sind, und drückt die christliche Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod aus.
Allerseelen – Vergehen
Im Mittelpunkt steht das Gebet und die Erinnerung an alle verstorbenen Gläubigen, insbesondere an die sogenannten «armen Seelen». Das Fest wurde schon Ende des 10. Jahrhunderts (um 998) von Abt Odilo von Cluny für alle Klöster des Benediktinerordens eingeführt und breitete sich danach in der gesamten römisch-katholischen Kirche aus.
Allerseelen
Stell auf den Tisch die duftenden Reseden,
Die letzten roten Astern trag herbei,
Und lass uns wieder von der Liebe reden,
Wie einst im Mai.
Gib mir die Hand, dass ich sie heimlich drücke
Und wenn man's sieht, mir ist es einerlei,
Gib mir nur einen deiner süssen Blicke,
Wie einst im Mai.
Es blüht und funkelt heut auf jedem Grabe,
Ein Tag im Jahre ist den Toten frei,
Komm an mein Herz, dass ich dich wieder habe,
Wie einst im Mai.
Hermann von Gilm zu Rosenegg
Advent – Werden
Aber auch in den November fällt, zumindest in den allermeisten Jahren, der erste Advent. Der Gedanke an das Werden des Erlösers gibt dem Abschluss des grauen Monats etwas Tröstliches. Ein Hauch von Frühling durchzieht die Gedanken, auch wenn der Winter erst vor uns liegt. Das Grün der Adventskränze in Kirchen und Häusern unterstreicht diese Hoffnung auf ein erneutes Werden.
Ein Weihnachtslied
Wintersonnenwende!
Nacht ist nun zu Ende!
Schenkest, göttliches Gestirn,
neu dein Herz an Tal und Firn!
O der teuren Brände!
Hebet hoch die Hände!
Lasset uns die Gute loben!
Liebe, Liebe, Dir da droben!
Wintersonnenwende!
Nacht hat nun ein Ende!
Tag hebt an, goldgoldner Tag,
Blühn und Glühn und Lerchenschlag!
O du Schlummers Wende!
O du Kummers Ende!
Christian Morgenstern
Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen
Der Bibelvers bei Matthäus 24,35 mag uns bei allem Vergehen tröstlich in Erinnerung rufen, dass das Gute, das sich in höheren Werten äussert, überdauern wird. Daran mögen uns auch die anderen Feste erinnern, die wir Ihnen in diesem Monat etwas näher bringen wollen.
Einen guten Abschluss des Kirchenjahres wünscht Ihnen