Aus tiefer Not versus Laetare Ierusalem
Grund zur Freude – auch in der Fastenzeit?
Geschätzte Leserin,
geschätzter Leser,
wir befinden uns in der Fastenzeit. Allgemein anerkannt als eine Zeit der Umkehr, Zeit der Einkehr, Zeit der Busse. Vierzig Tage in Erinnerung an die Zeit, die Jesus fastend in der Wüste verbracht hat. In vielen Texten geprägt von Worten wie "Sünde" und "Schuld".
Aber ist die österliche Busszeit wirklich ausschliesslich eine Zeit, das Fehlverhalten von Menschen in den Vordergrund zu stellen?
Ich lade Sie ein, mit mir über dieses Thema nachzudenken.
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Lese ich mir die Texte der meisten gebräuchlichen Kirchenlieder zur Fastenzeit durch, beschleicht mich der Eindruck, die Textdichter und -dichterinnen, haben sich vor allem an diesem Aspekt orientiert.
Von KG 378, wo es in der ersten Strophe heisst: «Denn meine Sünde brennt in mir...» über KG 380 «O Mensch, bewein dein Sünde gross» bis KG 384 «Aus tiefer Not schrei ich zu dir» spricht aus den meisten Liedern eine mehr oder weniger extrovertierte Selbstgeisselung.
Die Texte appellieren an die Gläubigen, sich selbst den Spiegel vorzuhalten. Und ich gebe gern zu, dass das etwas sperrige Lied nach Psalm 130 mit Melodie und Text von Martin Luther immer noch zu meinen Lieblingsliedern in der Fastenzeit gehört, wie «Komm, du Heiland aller Welt» im Advent.
Aus tiefer Not schrei ich zu dir,
Herr Gott, erhör mein Rufen.
Dein gnädig Ohr neig her zu mir
Und meiner Bitt es öffne;
Denn so du willst das sehen an,
was Sünd und Unrecht ist getan,
wer kann, Herr, vor dir bleiben?



